
Ein verspannter Nacken, ein Rücken, der sich immer wieder meldet, und das Gefühl, im Alltag schneller an seine Grenzen zu kommen als früher. Viele nehmen das einfach hin. Der Blick geht dabei meist auf Haltung, Bewegung und Muskulatur. Doch was, wenn ein Teil der Antwort auch auf dem Teller liegt?
Genau an dieser Schnittstelle arbeitet unsere Expertin Ariane Hüser im vierten Experten-Spotlight. Sie erklärt, wie Schmerz, Kraft und Ernährung zusammenspielen, woran sie erkennt, dass die Ursache nicht allein im Bewegungsapparat liegt und wo man am besten anfängt, wenn man im Alltag wieder belastbarer werden möchte.
Viele denken bei Physiotherapie nur an Massagen oder Übungen nach einer Verletzung. Bei Ihnen spielt aber auch Ernährung eine Rolle. Wie hängen für Sie Schmerzen, Kraft und das, was wir essen, konkret zusammen?
Ja, in meiner Praxis verfolge ich eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen. Es geht nicht nur um den rein biomechanischen Aspekt, eine Verletzung zu rehabilitieren.
Es geht darum, dem gesamten Körper alles zur Heilung notwendige anzubieten und da spielt die Ernährung eine große Rolle.
Nur mit allen wichtigen Bausteinen aus unserer Ernährung kann der Körper bestehen, heilen und wieder zu Kräften kommen. Wir benötigen Kohlehydrate, Fette und Eiweiße genauso wie Vitamine und Mineralien, um dem Körper alles zu bieten, was er zur Gesunderhaltung, zur Regeneration oder zum Heilen benötigt. Mangelt es schon an den Bausteinen, stagnieren wichtige Mechanismen.
Wenn jemand chronisch verspannt ist oder immer wieder Rückenschmerzen hat: Woran erkennen Sie, dass die Ursache vielleicht nicht nur im Bewegungsapparat, sondern auch in der Ernährung oder im Stoffwechsel liegt?
Jeder Mensch, der in meine Praxis kommt, wird im Erstgespräch viele Fragen von mir hören. Ich will „alles“ wissen - oft mehr, als mein Gegenüber im ersten Moment für relevant hält. In meiner Anamnese ist das so genannte „bio-psycho-soziale Modell“ ein Grundbaustein.
Ich will im Bereich „bio“ jedoch nicht nur den mechanisch-funktionellen Teil des Körpers sehen, also das reine Funktionieren von Muskeln und Gelenken - sondern auch das „wie und ob“. Ohne Treibstoff und gute Pflege funktioniert kein Muskel und kein Gelenk lange genug.
DIe Ernährung ist und bleibt da Fundament. Fehlen diese grundlegenden Bausteine, wird alles andere auf Dauer zum Problem.
Außerhalb des Gesprächs gibt es zudem im Sichtbefund oft schon diverse Hinweise auf mögliche Ernährungsthemen, die ich im Verlauf anspreche und dazu berate.
Was würden Sie jemandem raten, der mehr Kraft und Belastbarkeit im Alltag aufbauen möchte, aber nicht weiß, ob er zuerst beim Training, bei der Ernährung oder bei der Physiotherapie ansetzen sollte?
Ich rate jedem Menschen, der längere Zeit nichts (sportliches) für seine Gesundheit getan hat, als erstes einen Gesundheitscheckup beim Arzt zu machen. Abhängig von diesen Ergebnissen und den eigenen Wünschen nach Betreuungsintensität und Interessenschwerpunkt sollt man sich den passenden Experten suchen.
Sind körperliche Einschränkungen vorhanden, ist ein physiktherapeutisch begleiteter Trainingsstart sicherlich ein besserer Weg als ein Heimprogramm zu starten, bei dem auf Besonderheiten nicht eingegangen werden kann.
Je nach Motivationslage, Interessengebiet und Zeit zur Verfügung ist ein paralleler Blick auf die Ernährung natürlich sehr sinnvoll.
Ich freue mich aber auch schon sehr, wenn jemand überhaupt erstmal einen Schritt geht und nicht direkt in alle Richtungen gleichzeitig startet. Lieber kontinuierlich kleine Schritte, als alles auf einmal wollen und dann wegen zu viel auf einen Schlag aufhören.